Reifenservice
Wie erkennt man beschädigte Reifen?
Profiltiefe, Alter, Flanke, Abriebbild und Beulen: fünf Prüfungen, die Sie in zehn Minuten selbst machen können – und die eine, bei der Sie sofort aufhören sollten zu fahren.
3 Minuten Lesezeit
Reifen sind die einzige Verbindung zwischen Fahrzeug und Straße. Die Kontaktfläche je Rad ist etwa so groß wie eine Postkarte. Auf diesen vier Postkarten liegt alles: Bremsen, Lenken, Beschleunigen.
Fünf Prüfungen genügen, um den Zustand einzuschätzen. Alle lassen sich am stehenden Fahrzeug machen.
1. Profiltiefe
Gesetzlich vorgeschrieben sind 1,6 Millimeter über die gesamte Lauffläche. Das ist die Grenze, ab der es ein Bußgeld gibt – nicht die, ab der ein Reifen gut ist.
Praktisch empfehlen Fachleute mindestens 3 Millimeter bei Sommerreifen und 4 Millimeter bei Winterreifen. Der Grund ist die Wasserverdrängung: Ein Reifen mit 1,6 Millimetern kann bei Starkregen kaum noch Wasser aus der Kontaktfläche schaffen. Aquaplaning setzt dann bei deutlich geringerem Tempo ein.
Messen ohne Messgerät:
- Ein-Euro-Münze: Der goldene Rand ist etwa 3 Millimeter breit. Verschwindet er in der Profilrille, sind mindestens 3 Millimeter da.
- Zwei-Euro-Münze: Der Silberrand misst etwa 4 Millimeter – das Maß für Winterreifen.
Messen Sie an mehreren Stellen über den Umfang und über die Breite. Ein Reifen kann außen noch tief und innen fast glatt sein.
Die kleinen Stege in den Profilrillen – die Verschleißanzeiger – markieren genau die 1,6 Millimeter. Liegt die Lauffläche mit ihnen auf einer Höhe, ist die gesetzliche Grenze erreicht.
2. Alter
Auf jeder Reifenflanke steht die DOT-Nummer. Die letzten vier Ziffern nennen Woche und Jahr der Herstellung: „3222" bedeutet 32. Kalenderwoche 2022.
Gummi altert unabhängig von der Laufleistung. Weichmacher entweichen, das Material wird hart und spröde, der Grip fällt ab. Ein zehn Jahre alter Reifen mit acht Millimetern Profil ist gefährlicher, als er aussieht.
Als Orientierung: Ab etwa sechs Jahren gehört ein Reifen regelmäßig kontrolliert, ab etwa zehn Jahren ersetzt – auch wenn Profil da ist. Besonders betroffen sind eingelagerte Winter- oder Sommersätze, die pro Jahr nur ein halbes Jahr fahren.
3. Flanken
Die Seitenwand ist der empfindlichste Teil. Sie hat keine Verstärkung wie die Lauffläche und muss sich bei jeder Umdrehung verformen.
Sehen Sie nach:
- Feinen Rissen an der Flanke, oft ringförmig. Sie sind ein Zeichen für Alterung.
- Schürfstellen vom Bordstein. Ist die Gewebeschicht sichtbar, muss der Reifen ersetzt werden.
- Eingerissenen Stellen an der Wulst, also dort, wo der Reifen auf der Felge sitzt.
Prüfen Sie beide Seiten. Die Innenseite bekommt man nur zu sehen, wenn man das Lenkrad einschlägt oder den Kopf tief unter den Radkasten hält – genau dort sitzen aber die Bordsteinschäden.
4. Das Abriebbild
Wie der Reifen sich abfährt, verrät etwas über das Fahrzeug:
- Beide Schultern stärker abgefahren als die Mitte: dauerhaft zu wenig Luftdruck.
- Mitte stärker abgefahren: zu viel Luftdruck.
- Nur die Innen- oder nur die Außenseite: Die Achsgeometrie stimmt nicht. Das kostet Reifen und Sprit und verschlechtert das Fahrverhalten.
- Sägezahn – ein wellenförmiges Muster, bei dem sich die Profilblöcke schräg abnutzen: oft ein Hinweis auf Fahrwerksverschleiß. Macht sich zusätzlich durch Abrollgeräusche bemerkbar.
Ein einseitiger Abrieb ist kein Reifenproblem, sondern ein Fahrwerksproblem mit Reifenfolge. Neue Reifen darauf zu montieren, ohne die Ursache zu beheben, ist herausgeworfenes Geld.
5. Beulen – der Fall, bei dem Sie aufhören sollten
Eine Beule oder Ausbuchtung in der Flanke ist kein kosmetischer Mangel. Sie bedeutet, dass der innere Gewebeaufbau gerissen ist – meist nach einem harten Schlag gegen Bordstein oder in ein Schlagloch. An dieser Stelle hält nur noch das Gummi den Innendruck.
Solche Reifen können ohne Vorwarnung platzen. Bei Autobahntempo ist das ein Kontrollverlust, kein Ärgernis.
Wenn Sie eine Beule finden: langsam zur nächsten Möglichkeit, Rad wechseln, Reifen ersetzen. Nicht weiterfahren und „bald mal" einen Termin machen.
Dasselbe gilt für einen eingefahrenen Fremdkörper in der Flanke. In der Lauffläche lässt sich ein Nagel unter Umständen fachgerecht reparieren – in der Flanke nie.
Wann ist das der richtige Moment?
Der Saisonwechsel ist der natürliche Termin: Die Räder sind ohnehin ab, und dann sieht man auch die Innenseiten. Wer Ganzjahresreifen fährt, sollte sich den Termin bewusst setzen – zweimal im Jahr eine Sichtprüfung, dazu monatlich den Luftdruck.
Und der Luftdruck ist der Punkt, den fast alle unterschätzen: Ein Reifen verliert auch ohne Defekt Luft. Zu wenig Druck heißt mehr Verschleiß, mehr Verbrauch, mehr Wärme und im Extremfall ein Reifenschaden bei hoher Geschwindigkeit.
Was zum Reifenservice gehört, steht auf der Leistungsseite. Wann gewechselt wird, klärt Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Reifenwechsel?.
Termin anfragen oder anrufen: 02371 9407860.
Häufige Fragen
Wie messe ich die Profiltiefe ohne Messgerät?
Mit einer Ein-Euro-Münze: Der goldene Rand ist etwa drei Millimeter breit. Verschwindet er im Profil, sind mindestens drei Millimeter vorhanden. Für Winterreifen dient eine Zwei-Euro-Münze mit ihrem etwa vier Millimeter breiten Silberrand als Maß.
Themen:reifenservicesicherheit
