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Autoglas

Darf man mit einem Steinschlag weiterfahren?

Die kurze Antwort lautet: meistens ja, aber nicht lange – und in einem Fall gar nicht. Was Straßenverkehrszulassungsordnung und Hauptuntersuchung dazu sagen.

3 Minuten Lesezeit

Ein Steinschlag zwingt Sie in den seltensten Fällen dazu, das Fahrzeug sofort stehen zu lassen. Er sorgt aber dafür, dass jeder gefahrene Kilometer die Entscheidung zwischen Reparatur und Austausch in Richtung Austausch verschiebt. Deshalb ist "darf ich" nicht die eigentliche Frage – "wie lange sollte ich" ist es.

Was das Gesetz verlangt

Die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung regelt in § 40 die Anforderungen an Scheiben und in § 35b die Sicht des Fahrzeugführers. Der Kern beider Vorschriften: Die Sicht darf nicht beeinträchtigt sein.

Eine ausdrückliche Millimeterangabe für Steinschläge gibt es dort nicht. Die entscheidende Unterscheidung ist eine andere:

Liegt die Beschädigung im Sichtfeld, ist das ein Mangel. Gemeint ist der Bereich, den die Scheibenwischer direkt vor dem Lenkrad überstreichen – das sogenannte Fernsichtfeld. Dort führt schon eine kleine Beschädigung zu Lichtstreuung, besonders bei Gegenlicht, bei Nässe und nachts.

Außerhalb dieses Bereichs wird ein einzelner, kleiner Steinschlag im Alltag meist nicht beanstandet.

Bei der Hauptuntersuchung gilt dieselbe Logik. Eine Beschädigung im Sichtfeld ist ein Grund für eine Beanstandung; außerhalb entscheidet die Prüferin oder der Prüfer nach Lage und Ausmaß. Eine Zusage, dass "das schon durchgeht", kann Ihnen niemand seriös geben.

Was passiert, wenn Sie warten

Glas arbeitet. Eine Windschutzscheibe steht unter Spannung, sie ist gewölbt, verklebt und in eine Karosserie eingebaut, die sich bei jeder Bodenwelle verwindet. Eine beschädigte Stelle ist die Schwachstelle in diesem System.

Drei Dinge treiben den Riss:

Temperaturwechsel. Der klassische Fall ist der Winter: Der Wagen steht kalt, die Standheizung oder das Gebläse bläst warme Luft an die Innenseite, außen ist es minus fünf Grad. Innen dehnt sich das Glas, außen nicht. Ebenso im Sommer, wenn man in ein aufgeheiztes Fahrzeug steigt und die Klimaanlage voll aufdreht.

Wasser und Frost. In einem offenen Steinschlag steht Wasser. Gefriert es, dehnt es sich aus und sprengt die Stelle von innen weiter auf. Das ist der häufigste Grund dafür, dass ein Schaden über Nacht dreimal so groß ist.

Erschütterung. Schlaglöcher, Bordsteinkanten, zugeschlagene Türen. Jeder Stoß arbeitet an der Bruchspitze.

Aus einer reparablen Beschädigung wird so binnen weniger Tage ein Riss, der über die Scheibe läuft. Ab dann gibt es nur noch den Austausch.

Der eine Fall, in dem Sie nicht weiterfahren sollten

Wenn ein Riss – nicht ein Einschlagpunkt, sondern eine durchgehende Linie – das Sichtfeld quert oder sich sichtbar verlängert, gehört das Fahrzeug nicht mehr in den fließenden Verkehr. Die Scheibe trägt bei modernen Fahrzeugen zur Steifigkeit der Karosserie bei, stützt bei vielen Modellen den Beifahrerairbag ab und hält im Überschlag das Dach mit. Ein durchgehender Riss nimmt ihr genau diese Aufgabe.

Dasselbe gilt, wenn die Beschädigung von innen ertastbar ist. Dann ist die innere Glasschicht betroffen, und die Scheibe ist strukturell nicht mehr intakt.

Was die Versicherung dazu sagt

Ein Punkt, der selten bedacht wird: Wer einen bekannten Schaden über Monate laufen lässt und dann meldet, kann in Erklärungsnot geraten. Versicherungsverträge verlangen, den Schaden unverzüglich anzuzeigen und ihn gering zu halten. Aus einem Steinschlag, der reparabel gewesen wäre, ist dann ein Scheibentausch geworden – und die Frage, wer die Differenz trägt, muss man sich nicht stellen.

Praktisch heißt das: Melden Sie den Schaden, auch wenn Sie den Termin erst in zwei Wochen machen können.

Bis zum Termin

  • Klebeband über die Stelle, außen, außerhalb des Sichtfelds. Es hält Wasser und Schmutz draußen.
  • Nicht mit Heißluft abtauen. Eisfrei wird die Scheibe auch mit Kratzer und Gebläse auf kleiner Stufe.
  • Klimaanlage im Sommer erst auf mittlerer Stufe und nicht direkt gegen die Scheibe.
  • Schlaglöcher meiden, Türen sanft schließen.
  • Nicht in die Waschanlage. Der Wasserdruck arbeitet in die Beschädigung hinein.

Die praktische Antwort

Fahren Sie ruhig zur Arbeit und zum Einkaufen. Aber vereinbaren Sie den Termin in derselben Woche, in der der Stein eingeschlagen ist. Alles andere ist eine Wette gegen das Wetter.

Ob Ihre Beschädigung reparabel ist, klärt oft schon ein Foto. Welche vier Merkmale dafür entscheidend sind, steht im Beitrag Steinschlag reparieren oder Windschutzscheibe wechseln?. Was wir übernehmen, steht auf der Seite zum Autoglasservice – oder rufen Sie an: 02371 9407860.

Häufige Fragen

Wird ein Steinschlag bei der Hauptuntersuchung beanstandet?

Das hängt von der Lage ab. Beschädigungen im Sichtfeld der Fahrerin oder des Fahrers führen in der Regel zu einer Beanstandung, weil sie die Sicht beeinträchtigen. Außerhalb dieses Bereichs werden kleine Steinschläge häufig nicht beanstandet – eine Garantie gibt es dafür aber nicht.

Themen:hauptuntersuchungsteinschlag

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